Benzin und Bits bei Shell

Golem.de hat heute einen kurzen Artikel über die Bestrebungen von Royal Dutch Shell gepostet, in dem es um die Idee des Ölkonzerns geht das Shopgeschäft deutlich auszubauen und im gleichen Zug WLAN-Hotspots anzubieten.

Nun kann ich an Shell-Tankstellen als Postbank-Kunde ja bereits Geld abheben, Kaffee und Brötchen futtern, Zeitungen und Zeitschriften kaufen. Und – ach ja – wenn ich zufällig mein Auto dabei habe, kann ich dort auch gleich noch den Tank auffüllen. Wie praktisch!

Ich wünsche mir ja schon lange eine möglichst flächendeckende WLAN-Infrastruktur und der einzige Grund dafür, dass ich den Gast-Modus in meinem Router daheim nicht aktiviert habe, ist die unsichere Rechtslage für private Hotspot-Betreiber. Mittlerweile mag es aber auch an dieser Front mehr Rechtssicherheit als noch vor wenigen Jahren geben. Wenn einer von euch hierzu interessante Links hat: Nur her damit, denn gerade vor dem Hintergrund, dass sich spätestens seit der Smartphone-Revolution der letzten Jahre nahezu jeder Netzbetreiber im Mobilbereich darüber beschwert, dass die eigenen Netze ja ach-so-überlastet seien und Pseudo-Flatrates und Drosselungen in Deutschland weiterhin üblich sind, ist es eigentlich unerträglich zu wissen, dass die ganzen privaten WLANs in den Städten bei gelegentlichem Surfen die meisten Zeit über brach liegen.

Jerry Yang blutete lila

Jerry Yang, der Gründer von “Yet another hierarchical officious oracle” (Yahoo), ist seit dem 17. Januar 2012 nicht mehr an Bord des lilafarbenen Dotcom-Riesen aus Sunnyvale.

Das kam für viele Beobachter offenbar überraschend, ist aber am Ende wahrscheinlich einfach eine sehr persönliche Entscheidung gewesen: Nach 17 Jahren im eigenen Unternehmen und der Übernahme des CEO-Postens durch Scott Thompson kann ein Jerry Yang sich offenbar von einem der ersten und innovativsten Internetunternehmen lösen.

Ex-Paypal Chef Scott Thompson wird CEO bei Yahoo!

Scott Thompson, bisher Chef von Ebays Bezahlservice Paypal, soll nun ab dem 9. Januar bei Yahoo! den Feuerwehrmann spielen.

Das Ganze ist tatsächlich ein Spiel mit dem Feuer, denn während Scott Thompson über Jahre hinweg bei Paypal erfolgreich war und damit eher ruhigeres Fahrwasser gewohnt sein dürfte, sind die Zeiten in Sunnyvale derzeit eher stürmisch.

Die Werbeeinnahmen der einst so erfolgreichsten Suchmaschine sinken stetig. Dazu kommt ein Klima, in dem die ehemalige Vorstandschefin Carol Bartz am 6. September 2011 kurzerhand gefeuert wurde.

Darüber hinaus kann sich Scott Thompson schon bald mit Jack Ma auseinander setzen, der kurz nach der Jahrtausendwende das chinesische B2B-Portal alibaba.com zum Erfolg geführt hat und sich als Chef der Alibaba Group nun anschickt den eigenen Großinvestor zu übernehmen.

In welche Richtung sich Yahoo! unter der Führung von Scott Thompson entwickelt bleibt abzuwarten. Vielleicht schafft er es tatsächlich über Sunnyvale wieder die Sonne scheinen zu lassen.

All zu viel Zeit sollte er sich damit aber nicht lassen, denn die aufreibende Suche nach einem neuen CEO hat nun fast ein halbes Jahr in Anspruch genommen und wie wir alle wissen ist das viel Zeit in unserer Branche.

Adobe Systems schafft Flash ab

Adobe Systems hat offenbar verstanden was schon seit einigen Monaten / Jahren skandiert wird: Flash in seiner jetzigen Form ist ein Auslaufprodukt und der geschickte Einsatz aktueller Webtechnologien in Verbindung mit der Verfügbarkeit immer leistungsfähigerer Webbrowser und JavaScript Engines läuft der proprietären Technologie den Rang ab.

Der prominenteste Vertreter der Flash-Verweigerer ist die Firma Apple, die – unter anderem zugunsten der Akku-Laufzeit ihrer mobilen Geräte – Flash teilweise gar nicht mehr vorinstalliert. Steve Jobs hat das im April 2010 so zusammengefasst.

Golem.de meldete heute, dass Adobe sein Flash nur noch auf Desktop Computern weiter pflegen wird.

Ob man an der Desktop-Front noch nennenswerte Technologiesprünge erwarten kann darf vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Zahl leistungsfähiger mobiler Endgeräte bezweifelt werden. Ich persönlich glaube, dass hier nicht mehr viel kommen wird. Adobe hat mit “Air” außerdem eine Technologie für genau diesen Anwendungsfall schon im eigenen Hause. Darüber hinaus springt Adobe nun zum ersten mal offiziell auf frei verfügbare Standardtechnologie wie HTML 5 auf:

 ”Dem Thema HTML5 will Adobe mehr Ressourcen widmen und setzt dabei auf Werkzeuge wie Dreamweaver, Edge und Phonegap.”

Passend zu dieser Ankündigung ist von einer Neuausrichtung die Rede, die vermuten lässt, dass Adobe nun konsequent alte Zöpfe abschneiden möchte und sich Verschlankt. Wenig verwunderlich ist deshalb die Ankündigung massiver Stellenstreichungen:

“Das Unternehmen will 750 Stellen streichen, vor allem in Nordamerika und Europa. Zudem richtet Adobe sein Geschäft neu aus.”

Als “massiv” bezeichne ich diese Streichungen deshalb, weil Adobe nach dem aktuellen Jahresbericht von 2010 etwa 9117 Mitarbeiter beschäftigt:

As of December 3, 2010, we employed 9,117 people. We have not experienced work stoppages and believe our employee relations are good.

Damit entlässt Adobe immerhin fast 9% seiner Gesamtbelegschaft (genau: 8.5 Prozent).

Wie erfolgreich diese Neuausrichtung sein wird bzw. wie schnell Adobe sie umsetzen wird kann ein Indikator dafür sein, ob Shantanu Narayen und sein Team rechtzeitig erkannt haben, dass sich im Web die nativen Browser-Technologien gegenüber proprietären Plugins durchsetzen.

Was das Web brauchen kann – und wovon Adobe auch monetär profitieren würde – sind gute Werkzeuge um Designer und Entwickler in die Lage zu versetzen schnell und einfach gute Webinhalte auf der Basis moderner Technologien zu entwickeln.